Das V-Zeichen als Widerstands-Graffito
Der belgische Politiker Victor de Laveleye rief in einer BBC-Radioansprache am 14.01.1941 seine Landsleute auf, das V-Zeichen1) als Symbol des Widerstands im von Nazi-Deutschland besetzen Belgien zu verbreiten. Daraufhin erschienen innerhalb weniger Wochen mit Kreide gemalte V-Zeichen an vielen Wänden in Belgien, den Niederlanden und Nordfrankreich. Bald wurde das V-Graffito in allen von Deutschland okkupierten Ländern als Zeichen des Widerstandes gegen die Besetzung genutzt.
Die BBC unterstützte die Verbreitung in Europa durch ihre „V for Victory“-Kampagne. Erkennungszeichen für das Programm in den besetzten Gebieten war der Morsecode für „V“ (•••–), welcher auch dem Kopfmotiv (Schicksalsmotiv „Ta Ta Ta Taaa“) der 5. Sinfonie des deutschen Komponisten Ludwig van Beethoven entspricht. Der damalige britische Premierminister, Winston Churchill, unterstützte die Kampagne, griff die Geste auf und trug damit wesentlich zur Erhöhung des Bekanntheitsgrades bei.2)
Die Wirksamkeit des (formal illegalen) Widerstandszeichens kommt dadurch zum Ausdruck, dass die Besatzungsmacht Deutschland sich genötigt sah, eine eigene Propaganda-Gegenkampagne „V – Viktoria. Deutschland siegt an allen Fronten“ zu starten. Dabei wurden an exponierten Stellen in den besetzten Gebieten überdimensionierte V-Zeichen und Inschriften platziert. Selbst auf Briefmarken im besetzten Norwegen wurde ein „V“ aufgedruckt. Damit sollte erreicht werden, dass nunmehr alle illegal gemalten Widerstandszeichen umgedeutet und als Zustimmung für die Besatzer gewertet werden konnten.